Auch in diesem Jahr fand wieder das ganz kleine Gion-Fest unseres Dorfes statt.
Obwohl es Gion-Fest heißt, ist es nicht das prächtige große Fest von Kyoto mit seinem Umzug reich geschmückter Festwagen. Bei uns werden Blumenschmucke am Dorfschrein dargebracht – still und schlicht.
Dennoch ist es ein traditionsreiches Ritual für Susanoo-no-Mikoto, dieselbe Gottheit, die auch mit dem Gion-Fest in Kyoto verbunden ist. Früh am Morgen mähten wir das Gras an den Dorfwegen. Am Nachmittag richteten die Dorfbewohner gemeinsam den Blumenschmuck auf und brachten ihn am Schrein dar.
Ein kleines Gion-Fest, das das Dorf bewahrt
▼ Der von Grün umgebene Dorfschrein

Der überlieferte Blumenschmuck
Im vergangenen Jahr kehrte der traditionelle Blumenschmuck nach sechs Jahren zurück. Darüber berichten wir in unserem japanischsprachigen Beitrag „Das kleine Gion-Fest unseres Dorfes | Überlieferter Blumenschmuck“.
Auch in diesem Jahr folgten wir dieser Form und brachten am Schrein einen Schmuck mit Blüten aus Washi-Papier dar.
Die lebhafte Pracht eines großen Festes gibt es hier nicht. Doch im Aufrichten des Bambus, im Anbringen der Blumen und im Darbringen vor der Gottheit scheint eine Gebetsform weiterzuleben, die auf diesem Land seit Jahrhunderten besteht.
▼ Der von Dorfbewohnern gefertigte Blumenschmuck von 2026

Aus der Nähe betrachtet ist jede einzelne Blüte sehr schlicht. Papier wird geschnitten, Farbe wird geschichtet, und alles wird von Hand zusammengebunden. Besonders auffällig ist nichts daran. Doch wenn die handgefertigten Blüten zusammenkommen, entsteht auf dem Schreingelände eine sanfte Festlichkeit.
▼ Blumenschmuck aus Washi-Papier, Bambus und Stroh

Früher nahmen wohl auch viele Kinder teil, und das Fest war ein wichtiges Jahresereignis. Heute ist es durch Bevölkerungsschwund und Überalterung deutlich kleiner geworden.
Trotzdem kommen die Dorfbewohner zusammen, mähen das Gras, fertigen die Blumen und bringen sie am Schrein dar. Wenn ich an dieser gemeinsamen Zeit teilnehmen darf, empfinde ich stille Dankbarkeit für die Verbindung, durch die ich hierherkam und nun hier lebe.
Ein kleines Fest als Erinnerung bewahren
In ganz Japan sind vermutlich bereits viele Rituale und Feste verschwunden. Es ist traurig, wenn Geschichte, Erinnerung und menschliches Tun verloren gehen.
Darum möchte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten mitarbeiten und das Geschehen als Aufzeichnung bewahren.
▼ Sonnenuntergang hinter den westlichen Bergen nach dem Fest

Als das Fest zu Ende ging und die Sonne hinter den westlichen Bergen sank, kamen alle zu einem kleinen Abschluss zusammen. Ein eiskaltes 🍺 schmeckte einfach großartig!
Ein kleines Gion-Fest in einem kleinen Dorf. Auch in diesem Jahr ging es still und ohne Zwischenfall zu Ende.