Der August neigte sich bereits dem Ende zu. Die Pflanzen auf der Hitotsuya Textilfarm, die wir im Frühjahr 2014 für Pflanzen rund um Färben und Weben angelegt hatten, überstanden die große Sommerhitze und entwickelten sich weiterhin gut.
Hier stellen wir die Färbe- und Faserpflanzen dieses sehr kleinen Versuchsgartens noch einmal genauer vor.
Färbe- und Faserpflanzen im Sommer 2014
▼ Japanischer Indigo als wichtigste Kultur
Den Anfang macht Japanischer Indigo, in Japan tade-ai genannt. In diesem Jahr gelang es uns erstmals, mit selbst hergestelltem Sedimentindigo zu färben. Dabei wird der blaue Farbstoff aus den geernteten Blättern gewonnen und als Pigment abgesetzt.

▼ Indischer Indigo aus eigener Aussaat
Dies ist Indischer Indigo. Wir zogen ihn aus Samen, und inzwischen ist er erstaunlich groß geworden.

▼ Kurkuma, spät ausgetrieben und nun gut entwickelt
Die Kurkuma brauchte lange, bis die ersten Triebe erschienen. Jetzt wächst sie jedoch ohne größere Probleme.

▼ Panaschiertes Kariyasu für einen klaren Gelbton
Hier wächst panaschiertes Kariyasu, ein japanisches Gras, das traditionell zum Färben verwendet wird. Es ergibt den klaren gelben Farbton, der in Japan kariyasu-iro genannt wird.

▼ Japanischer Krapp, der selten geworden ist
Dies ist Japanischer Krapp, eine in Japan heimische Krappart, die in den letzten Jahren nur noch schwer zu finden ist.

▼ Buntnessel „Redhead“ für einen Anthocyan-Versuch
Diese Buntnessel ist die Sorte „Redhead“. Wir möchten ausprobieren, ob sich aus ihren kräftig rotvioletten Blättern Anthocyane gewinnen lassen.

Pflanzen finden, die kaum erhältlich sind
Außerdem kultivieren wir Fenchel, Zitronengras, Minze und weitere Kräuter – Pflanzen, die sich als natürliche Färbematerialien nutzen lassen.
Diese Sammlung zusammenzustellen war nicht einfach. Viele Pflanzen für Färberei und Textilarbeit sind ungewöhnlich und werden in gewöhnlichen Gärtnereien oder Baumärkten weder als Jungpflanzen noch als Saatgut angeboten.
Meist suchten wir im Internet. Wenn eine Art auch dort nicht zu bekommen war, sammelten wir sie gelegentlich selbst.
▼ Selbst gesammelter Japanischer Staudenknöterich
Diesen Japanischen Staudenknöterich haben wir selbst gesammelt. Zuvor hatten wir damit bereits einen braunen Farbton mit violettem Einschlag gefärbt.

▼ Ramie als Pflanze für textile Fasern
Auch diese Ramie wurde gesammelt. Anders als die übrigen Pflanzen dient sie nicht als Farbstoff: Aus ihren Stängeln werden Fasern gewonnen, die zu Garn und Gewebe verarbeitet werden.

Wie Nausicaäs Versuchsgarten
Seit dem Frühjahr hat sich die kleine Farm nach und nach mit Pflanzen für Farben, Pflanzen für Fasern und Pflanzen gefüllt, deren Möglichkeiten wir erst noch untersuchen möchten.
Die vielen ungewöhnlichen Arten, die hier beobachtet und erprobt werden, erinnern inzwischen an das verborgene Pflanzenlabor aus dem Studio-Ghibli-Animationsfilm Nausicaä aus dem Tal der Winde.
Wenn es etwas kühler wird, möchten wir weitere im Herbst auszusäende Färbepflanzen anbauen, darunter Färber-Mädchenauge und Färberwaid.
Es ist wirklich eine sehr, sehr kleine Farm. Doch die Pflanzen zu pflegen, zu beobachten und mit Färben und Weben zu verbinden, macht uns unendlich viel Freude.