Das alles sind „Pflanzen, aus denen vielleicht Stoff werden kann“.

Die Pflanzenfasern auf dem Foto werden derzeit alle bei Hitotsuya untersucht. Von links: Velvet-Banane, Maulbeere, Glyzinie und wilde Ramie. Legt man sie nebeneinander, zeigt sich deutlich: Auch wenn alles Pflanzenfasern sind, unterscheiden sich Farbe, Stärke, Härte und Ausdruck völlig.
Heute haben wir beschlossen, jede dieser Fasern in Aschenlauge zu kochen.
Kann aus der Velvet-Banane ein „neues Bashō-Gewebe“ werden?
Ganz links liegt die Velvet-Banane. Bei Hitotsuya bauen wir sie selbst an, gewinnen Fasern aus ihrem Scheinstamm und erforschen, ob daraus am Ende Garn und schließlich Stoff entstehen kann.
Unser Ziel ist ein Hitotsuya-eigenes „neues Bashō-Gewebe“. Damit ist natürlich nicht gemeint, das als traditionelles Handwerk überlieferte Bashō-fu selbst nachzubilden.
Wie lange Fasern lassen sich aus den bei Hitotsuya gezogenen Velvet-Bananen gewinnen? Können wir sie fein ausrichten, verbinden, zu Garn machen, mit Pflanzen färben und schließlich verweben? Wir stehen noch mitten im Prozess, doch aus dem Pflanzenmaterial wird nach und nach eine „faserartige Form“.
Aus Maulbeerholz ein originales Hitotsuya-Material entwickeln
Die beiden Materialien daneben stammen von der Maulbeere. Bei einem wurde die Außenrinde entfernt, beim anderen blieb sie erhalten. Obwohl beides dieselbe Pflanze ist, verändert allein die Behandlung den Ausdruck deutlich.
Bei Maulbeeren denkt man vielleicht zuerst an die „Blätter“ als Futter für Seidenraupen. Hitotsuya schaut jedoch nicht nur auf die Blätter.
Könnte man aus dem Maulbeerbaum selbst ein neues Material herstellen?
Aus dieser Idee entstand die Forschung, die wir bei Hitotsuya „Sōjuhaku“ nennen. Es ist weder Papier noch ganz gewöhnliches Gewebe. Wir kochen, schlagen und lockern abgeschälte Maulbeerrinde und prüfen, ob sich ihre Eigenschaften zu einem originalen neuen Material von Hitotsuya weiterentwickeln lassen.
Ist es besser, die Außenrinde zu entfernen? Oder entsteht gerade dann eine interessante Oberfläche, wenn sie bleibt? Auch bei diesem Kochen in Aschenlauge möchten wir diesen Unterschied beobachten.
Glyzinie ist ziemlich widerspenstig…
Das aufgerollte Material in der Mitte ist Glyzinie. Hier versuchen wir uns an dem seit Langem überlieferten Glyziniengewebe.
In der Praxis ist das allerdings ziemlich schwierig. Die Rinde abzuziehen und sofort schöne Fasern zu erhalten――so einfach ist es keineswegs.
In welchem Zustand sollte die Glyzinie sein? Wie viel Rinde muss entfernt werden? Wie lässt sie sich behandeln, ohne die Fasern zu beschädigen? Und wie wird daraus anschließend Garn? Schon auf dem Foto wirkt sie etwas anders als die übrigen Fasern.
Beim Glyziniengewebe ist, ehrlich gesagt, noch sehr viel Forschung nötig. Aber gerade deshalb ist es spannend.
Mit wilder Ramie möchten wir bewusst ein anderes Garn herstellen
Die beiden Bündel ganz rechts im Foto sind wilde Ramie. Ramie wird in Japan seit alter Zeit als pflanzlicher Rohstoff für Stoff genutzt.
Hitotsuya möchte derzeit jedoch nicht nur die traditionelle Methode unverändert nachbilden. Was passiert, wenn wir die Fasern anders gewinnen? Was geschieht, wenn wir sie fein auflockern und verspinnen? Könnte daraus ein Garn mit einem anderen Ausdruck als bisher entstehen?
Mit diesen Fragen suchen wir nach einem interessanten Garn, das gerade mit wilder Ramie möglich ist. Selbst dieselbe Pflanze kann durch eine kleine Änderung der Verarbeitung zu einem völlig anderen Material werden.
Über unsere bisherigen Versuche, Garn aus wilder Ramie herzustellen, berichten wir auch in diesem Artikel.
Garn aus wilder Ramie herstellen | Hitotsuyas Naturstoff-Experiment →
Pflanzenfasern in Aschenlauge kochen
Velvet-Banane, Maulbeere, Glyzinie und wilde Ramie sind verschiedene Pflanzen, und auch ihre gewonnenen Pflanzenfasern befinden sich in völlig unterschiedlichen Zuständen. Heute kochen wir jede davon in Aschenlauge.
Wie viel weicher werden sie danach? Lassen sich die Fasern leichter auflockern? Wie verändert sich die Farbe? Und zeigt sich anschließend etwas, bei dem wir denken: „Das könnte wirklich Garn werden!“?
Wahrscheinlich wird nicht alles gleich gut funktionieren. Bei manchen heißt es vielleicht: „Oh, das geht!“ Bei anderen eher „Hmm… nein, das ist es nicht.“ Doch indem wir die Veränderungen der einzelnen Pflanzen vergleichen, erkennen wir besser, was wir als Nächstes ausprobieren sollten.
Der Weg von Pflanzenfasern zu Stoff ist das Spannende
Wir bauen Pflanzen an, ernten sie, lösen die Rinde und gewinnen Fasern. Wir kochen, schlagen und lockern sie, bis schließlich Garn entsteht. Dann färben wir es und verweben es zu einem Stück Stoff.
Wer nur den fertigen Stoff sieht, erkennt kaum, wie lang der Weg davor war. Für Hitotsuya ist aber gerade dieser Weg dazwischen besonders interessant.
„Kann aus dieser Pflanze wirklich Stoff werden?“
Von dort aus prüfen wir Schritt für Schritt weiter: ein „neues Bashō-Gewebe“ aus Velvet-Banane, ein neues Material aus Maulbeere, Glyziniengewebe und ein neues Garn aus wilder Ramie.
Welche Fasern werden also nach diesem Kochen in Aschenlauge zum Vorschein kommen? Die Ergebnisse werden wir weiter dokumentieren!
Außerdem erforschen wir Pflanzenfasern aus Ichibi, Kenaf, Kudzu, Flachs und weiteren Pflanzen. Seien Sie gespannt, wie es weitergeht!