Menü Schließen

Färben mit Kaffeesatz | Ein nachhaltiger Kreislauf aus einer Tasse Kaffee

Färben mit Kaffeesatz beginnt bei uns mit einem ganz gewöhnlichen Teil des Tages. Jeden Morgen trinke ich vor der Arbeit eine Tasse Kaffee und gegen drei Uhr nachmittags meistens noch eine. Als junger Mann mochte ich Kaffee überhaupt nicht. Selbst die Tasse, die mir bei einer geschäftlichen Besprechung angeboten wurde, konnte ich nur mit Mühe austrinken. Das änderte sich, nachdem ich meine Frau geheiratet hatte, die Kaffee schon immer liebte.

Wenn ich sah, wie genüsslich sie ihren Kaffee trank, sagte ich bald: „Machst du mir bitte auch einen?“ So wurden zwei Tassen am Tag irgendwann zu einer festen Gewohnheit. Auch diesen Beitrag schreibe ich mit einer Tasse Kaffee neben mir. Und mit jeder Tasse bleibt etwas zurück: der Kaffeesatz.

Färben mit Kaffeesatz beginnt mit dem Sammeln

Nach dem Aufbrühen geben wir den gebrauchten Kaffeesatz in einen Behälter, lassen ihn trocknen und sammeln jeden Tag ein wenig mehr. Sobald eine ausreichende Menge zusammengekommen ist, verwenden wir ihn als Pflanzenfarbstoff. Beim Färben mit Kaffeesatz entstehen Farbtöne, die überraschend anders wirken als das dunkle Braun des Getränks. Erst auf dem Stoff zeigt sich eine ruhige und schöne Farbe.

▼ Getrockneter Kaffeesatz für das Färben mit Kaffeesatz

Getrockneter Kaffeesatz für das Färben mit Kaffeesatz bei Hitotsuya

Dafür müssen wir kein besonderes nachhaltiges Material kaufen. Wir achten lediglich auf das, was in unserem Alltag ohnehin anfällt. Was nach einer vertrauten Tasse Kaffee übrig bleibt, wird nicht sofort weggeworfen, sondern erhält als Farbe für Stoff eine neue Aufgabe.

Nach dem Färben mit Kaffeesatz geht es zurück auf das Feld

Auch nach dem Färben ist der Kaffeesatz noch nicht am Ende seines Weges. Wir trocknen ihn erneut, mischen ihn mit Reiskleie und lassen die Mischung fermentieren. Danach kommt sie als Dünger auf das Feld, auf dem wir unsere Färbepflanzen anbauen. Aus dem Getränk wird Farbe, aus dem Farbstoff wird Nahrung für den Boden.

Wir kaufen Naturreis sackweise und polieren jeweils nur die Menge, die wir essen. Deshalb fällt bei uns fast jeden Tag frische Reiskleie an. Diese hausgemachte Kleie hilft dabei, den bereits zum Färben verwendeten Kaffeesatz zu fermentieren.

▼ Hausgemachte Reiskleie aus frisch poliertem Naturreis

Hausgemachte Reiskleie für die Fermentation des gebrauchten Farbstoffs

So entsteht eine vollständige Wiederverwendung – wirklich nachhaltig. Das Färben mit Kaffeesatz ist nur eine kleine Praxis, doch es verbindet unsere Küche, die Färberei und den Textilacker miteinander. Jeder Schritt bereitet das Material für den nächsten vor.

Ein Schal aus einer alltäglichen Gewohnheit

Inzwischen hat sich wieder genügend Kaffeesatz angesammelt. Bald möchte ich damit einen Schal färben. Der fertige Farbton wird anders aussehen, als viele Menschen es von Kaffee erwarten. Gerade diese unerwartete Verwandlung macht den Reiz des Pflanzenfärbens aus.

Eine Tasse Kaffee mit meiner Frau wurde zur täglichen Gewohnheit. Die Gewohnheit brachte einen Farbstoff hervor, und die Reste kehren schließlich auf unser Feld zurück. Nachhaltiges Arbeiten muss nicht immer mit einem großen Plan beginnen. Manchmal beginnt es mit einer einzigen Tasse Kaffee und der Entscheidung, den Rest nicht wegzuwerfen.

Außerdem finden Sie hier unsere japanische Anleitung zum Färben mit Kaffee.

Weitere Informationen zum Ressourcenkreislauf bietet das japanische Umweltministerium zur Kreislaufgesellschaft und zu den 3R.